„Wiener Polka im Galopp!“

Es ging eng zu, beim ersten Café-Konzert des Jahres 2017. Die vielen erwartungsfrohen Gäste bildeten einen stimmungsvollen Rahmen für ein solches Konzert. Die Musiker des Kaffeehaus-Ensembles „Salon de Saxe“ aus der Musikmetropole Leipzig, die aufgrund eines Grippeausfalls kurzfristig dieses Konzert kurzfristig übernommen hatten, legten dann unter dem Motto „Wiener Polka im Galopp!“ mit der Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauß auch gleich richtig los.

Der Cellist Sascha Weschau musizierte mit so viel Engagement, dass eine Saite seines Cellos diese Schnellpolka nicht überlebte. Zur Überbrückung des Saitenwechsels stellte Michael Rosenhoff in seiner Doppelfunktion als Kontrabassist und Moderator einstweilen die Protagonisten des Konzertes vor: Thomas Krause und Eckard Kiessling an der Geige sowie Roland Schaetz am Flügel. In seiner humorvollen, aber auch kurzweiligen und informativen Moderation, lud Michael Rosenhoff das Publikum zu einem musikalischen Strauß mit unvergesslichen Wiener Melodien ein. Zu diesem bunten „Melodienstrauß“ gehörte natürlich auch Johann Strauß, dessen Musik sich durch viele wechselnde Melodien auszeichnet. Der sich anschließende musikalische Frühlingsgruß mit dem Konzertwalzer „Rosen aus dem Süden“ und „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ nahm diesen Grundtenor übergangslos auf. Schüchternes Schunkeln der Zuhörer begleitete diese Musikstücke. Gegensätzlicher waren da die Schnellpolka „Leichtes Blut“ von Johann Strauß und Edvard Elgar´s Liebesgruß „Salut d‘amour“, bei dem Sascha Werchau seinem Cello leidenschaftliche Töne entlockte. Man konnte fühlen, wie sich die Liebe und die Wirren des Lebens beeinflussen. Ein emotionsgeladenes Wohlfühlstück. Dieses Intermezzo leitete eine musikalische Reise durch Europa ein. Wien, Paris, Neapel, Florenz und Spanien bildeten den Ausgangspunkt der nun folgenden Musikstücke. Ob das „Neapolitanische Ständchen“ von Gerhard Winkler, der „Florentiner Marsch“ von Julius Fucik oder der Paso Doble „Spanischer Zigeunertanz“ von Maquina Pasquale, sie alle spiegelten das Leben der Menschen in verschiedenen Situationen wider. Der Beguine-Tango „Buenas Noches“ von Karl-Heinz Becker lud zum Träumen nach Südeuropa ein. Immer wieder gelang es den Musikern, die Besonderheiten der einzelnen Stücke durch ihre Interpretation herauszustellen. Mit „Russisch“ von Jo Knümann erreichte das Konzert einen seiner ersten Höhepunkte. Begeisterter Beifall war der entsprechende Lohn der Musiker. Der „Ungarische Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms sowie der „Czárdas“ von Vittorio Monti mit Thomas Krause an der Solo-Violine, waren weitere Höhepunkte und begeisterten die Zuhörer ebenso. Den Abschluss des Konzerts bildete wieder Johann Strauß. Mit dem Marsch der Märsche, dem „Radetzky Marsch“, konnte Michael Rosenhoff als dirigierender Kontrabassist das Publikum in den Marsch integrieren. Dies wurde zur großen Freude des Publikums mit begeistertem Klatschen im Forte und Piano umgesetzt. Und so verschmolzen am Ende des Konzertes Publikum und Musiker zu einem großen gemeinsamen Ensemble. Die zweite Zugabe sagte alles: „Sag beim Abschied leise Servus“, vom unvergessenen Peter Kreuder. Mit diesem Schlager wurde das Publikum nicht nur verabschiedet, sondern es begleitete die Musiker mit seinem textsicheren Gesang. Und spätestens, als nach dem Schlussakkord die Musiker mit einem Lächeln ihre Pultleuchten ausschalteten, war jedem klar, das der Abschied naht. Aber „Servus“ heißt auch „Auf Wiedersehen !“. Hoffentlich bald wieder ! Ein tolles Finale dieses Konzertnachmittags. Standing Ovations ! Danke „Salon de Saxe“!

Erhard Dittberner